Lesen Sie den Text und bereiten Sie sich zum Beschreiben und Kommentieren der beiden Grafiken vor.
Medienmitteilung zum Start der SAH-Jahreskampagne, Zürich, 15. April 2003
«Jedes 10. Kind in der Schweiz ist arm»
700‘000 Menschen sind in der Schweiz arm – Tendenz steigend. Am härtesten trifft es alleinerziehende Frauen, junge Familien und Kinder. Jedes 10. Kind ist betroffen. Armut ist in der Schweiz also «jung». Dies birgt enormen sozialpolitischen Sprengstoff für die Zukunft. Denn Studien belegen, dass Armut in der Familie von Generation zu Generation weitergegeben wird.
Die Armut trifft in der Schweiz in erster Linie Kinder, Jugendliche, junge Familien und alleinerziehende Frauen. Gegen 250'000 Kinder sind arm. Kinder sind besonders verwundbar. Nicht nur materiell. Sie sind in verschiedensten Lebenssituationen oft mehrfach benachteiligt. Arme Kinder sind sozial schlechter integriert, weisen ein geringeres Selbstwertgefühl auf, haben schlechtere Chancen in Ausbildung wie Beruf und sind öfter krank - psychisch wie physisch. Auffällig ist zudem, dass Armut «vererbt» wird. Wächst man in Armut auf, bleibt man häufig ein Leben lang arm.
Armut gilt zu Unrecht als individuelles Problem im Sinne von «Selber schuld, wer arm ist.» Wie bei der Erwerbslosigkeit bereits teilweise geschehen, muss das Tabu auch beim Thema Armut gebrochen werden. Armut ist ein strukturelles Problem der gesamten Gesellschaft für das politische Lösungen nötig sind. Dabei gibt es durchaus taugliche Modelle zur Armutsbekämpfung.
Man könnte vom Alter lernen. Mit der Einführung der AHV gelang es, die Armutsrate bei älteren Mitmenschen erfolgreich zu senken. -> Das SAH fordert existenzsichernde Ergänzungsleistungen zu Gunsten von Familien analog zum AHV-System. Die Mindest-Kinderzulagen sind auf 200 Franken zu erhöhen.
Zur Armutsprävention gehört auch eine gerechtere Steuerpolitik. Jetzt profitieren Reiche vom Steuerabzug für Kinder in absoluten Beträgen um ein Vielfaches gegenüber Mittellosen. -> Das SAH fordert eine familiengerechte Steuerpolitik und die Steuerbefreiung von Menschen unter dem Existenzminimum.
Am Dringendsten ist der Ausbau der familienexternen Kinderbetreuung. Nur so können zum Beispiel armutsbetroffene Eltern überhaupt einen Job annehmen. Zudem haben Kinderkrippen eine wichtige pädagogische Funktion bei der sozialen Integration von Kindern, vor allem bei ausländischen. -> Das SAH fordert den Ausbau der familienexternen Kinderbetreuung: bezahlbar und in guter Qualität.
Die Schule kann die Unterschiede der sozialen Herkunft nicht mehr auszugleichen. Das ist im Bildungsland Schweiz verheerend. Denn es herrscht eine Kultur des «Türe-Zuschlagens». Wer es mit 16 nicht geschafft hat, ist abgeschrieben. Die Praxis aus den SAH-Programmen für Erwerbslose zeigt, dass die meisten nur mit einem Ausbildungsabschluss die Chance auf einen besser bezahlten Beruf erhalten und somit fürsorgeunabhängig werden. Das jetzige System verunmöglicht die Weiterbildung oder das Nachholen eines Bildungsabschluss für über 25-Jährige, vor allem für Eltern, die Kinder zu betreuen haben. -> Das SAH fordert die Möglichkeit zum «lebenslangen Lernen». Dieses Bildungsangebot könnt zum Beispiel integraler Teil der öffentlichen Ausbildungsstätten sein.
Bürgerliche PolitikerInnen wenden immer wieder ein, dass sich die Schweiz in der jetzigen finanziellen Situation keine Armutsbekämpfung leisten könne. -> Das SAH ist der Überzeugung, dass die so investierten Millionen später Milliardenbeträge sparen. Der jetzige Arbeitsmarkt verursacht auch bei Voll-Erwerbstätigen Armut. Die Anzahl der so genannten Working Poor stieg in den letzten Jahren markant. -> Das SAH fordert existenzsichernde Mindestlöhne. Der Minimallohn darf nicht unter 3000 Franken netto betragen. Die Zahl der Nischenarbeitsplätze ist zu erhöhen. Es müssen genügend Lehrstellen geschaffen werden. Asylsuchende und Menschen mit B- oder F-Aufenthaltsbewilligungen sollen die Arbeitserlaubnis erhalten.
Das SAH will das Thema Armut in der Schweiz vermehrt auf der politischen Agenda sehen. Dass Kinder davon am meisten betroffen sind, macht die Armutsbekämpfung um so dringlicher.
zurück zur Haupseite oder zum Seitenanfang oder Text inkl. Grafiken ausdrucken [87 KB]
|