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ARMUT HAT VIELE URSACHEN!
 

Das macht Armut mit Menschen (Quelle SAH, 15.4.2003)

Lies die nachfolgenden Texte und notiere jeweils 2-3 Stichworte, warum jemand arm werden kann! Ausdrucken als Textdatei. [37 KB]

«All mein Geld geht in Medikamente und zum Arzt»

«Wir haben drei Kinder und erwarten ein viertes im Herbst. Unser Ältester leidet an einer chronischen Harnwegerkrankung und die Medikamente und Arztbesuche sind teuer. Ich verdiene 5000 Franken pro Monat, was genügen müsste, aber es ist nicht genug. Meine Frau musste seit Beginn ihrer Schwangerschaft mehrmals ins Spital, wir mussten die Familien- und Haushalthilfe kommen lassen aber nicht alle diese Kosten werden von der Versicherung gedeckt. Wir müssen noch die zehn Prozent von allen Arztvisiten bezahlen. Dazu hat unsere Krankenkasse selbst Probleme und vergütet nicht mehr pünktlich. So müssen wir noch die Mahnungen und Zusätze bezahlen. Nun haben wir Schulden. Kurz: es ist nicht gerade eine Traumsituation, um ein viertes Kind zu empfangen.»


«Ich mag keine Leute, die betteln!»

«Ich bin Witwe und habe vier Kinder zwischen sieben und 15 Jahren. Das Jüngste wurde fünf Monate vor dem Tod meines Mannes geboren. Ich habe nie mehr als fünf Franken monatlich für das Telefon ausgegeben, habe nie Zigaretten gekauft. Ich habe ein Zimmer an ein Paar vermietet, das nach meinen Kindern geschaut hat, während ich nachts arbeitete. Während zehn Jahren habe ich Zeitungen ausgetragen und während 31 Jahren Werbematerial. Mit meinen Kindern ging ich auch Früchte pflücken und ich habe für mehr als 50 Personen den Haushalt gemacht.

Arbeit bringt einen nicht um, ich bin gesund und habe mich gut zurecht gefunden. Ich koche gute Gemüsesuppen und mache meine eigenen Konserven. Man kann auskommen, wenn man nicht behindert ist. Ich mag keine Leute, die betteln und anschliessend im Restaurant ihren Kaffee trinken gehen und ihr Geld für Zigaretten und den Ausgang ausgeben.»


«Ich bin arm, aber man sieht es nicht.»

«Ich bin arm, aber unter dem Vorwand, dass man dies meinem Verhalten und meinem Gesicht nicht ansieht, glaubt es mein Umfeld nicht und ich habe kein Recht auf Solidarität. Ich besorge meine Kleider bei der Heilsarmee, ich schneide mir mein Haar selbst und ich muss mit 1500 Franken pro Monat für Miete, Elektrisch und Nahrung durchkommen. Sie können mir glauben, dass ich in gewissen Monaten nicht weiss, wie ich es machen soll. Ich suche Arbeit aber ich finde keine. Es ist einfach grauenvoll.»


«Die Schwierigkeiten Anderer plagen mich»

«Es ist nicht einfach zu akzeptieren, dass sehr viele Menschen in unserer Zeit noch an fehlender Ernährung, zu wenig Geld oder Hilfe auskommen müssen. Mein Mann ist pensioniert und ich suche seit anderthalb Jahren eine feste Arbeit. Ich habe nur einen stillschweigenden Vertrag auf Abruf mit einer Reinigungsfirma. Dazu wurde ich seit 2000 zwei Mal an der Hüfte operiert. Ich habe kein Recht auf Arbeitslosengeld oder andere Sozialleistungen, da mein Mann Landwirt, also selbständig war. Wir müssen mit weniger als 2000 Franken monatlich auskommen. Von den Schwierigkeiten anderer zu hören macht mir Mühe. Ich entschuldige mich bei allen, denen ich nicht helfen kann.»


«Ich wäre froh, wenn ich ein regelmässiges Einkommen hätte»

Ich habe kein Auto mehr, keinen Fernseher mehr, ich habe alles weggetan. Brauche fast nichts für mich. Etwas zu essen und schlafen, die Reisekosten, um zur Arbeit zu fahren. Kein Coiffeur, ich rauche nicht, ich trinke nicht. Zeitungen und Bücher kann ich mir nicht leisten. Es ist nicht so angenehm, immer so knapp ausrechnen müssen. Zum Glück bin ich es mir gewöhnt. In der Freizeit bin ich viel zu Fuss unterwegs, ich gehe auch gerne Schwimmen, allerdings immer neben der Badi, das ist am billigsten. Aber am meisten fehlt mir eine Arbeitsstelle und die Sicherheit, immer Arbeit zu haben. Das ist mühsam, wenn man nicht weiss, was für ein Einkommen man haben wird. Ich wäre froh, wenn ich Arbeit hätte und ein regelmässiges Einkommen. Jetzt kann ich mir nicht einmal die Zähne flicken lassen. Ich träume davon, wieder einmal in den Ausgang gehen zu können, für meine Kinder etwas kaufen zu können oder endlich eine Reise zu unternehmen.


«Ich lebe dank der Sozialhilfe, welche ich zurückbezahlen müsste»

«Ich wurde in Côte d’Ivoire geboren und bin 24 Jahre alt. Ich bin 2001 als Asylsuchende in der Schweiz angekommen, nachdem in meinem Land Drohungen gegen meine Familie ausgesprochen wurden. Ich traf einen Mann aus der Waadt, wir heirateten. Aber er hat weiterhin eine Beziehung zu seiner Ex-Freundin gehabt. Ich bin dann gegangen, wir haben uns getrennt. Mein Mann lehnt es ab, mir meine Alimente zu bezahlen, die der Richter ihm aufgetragen hat und er hat an die Fremdenpolizei einen Brief geschrieben, in dem er sagt, die Heirat sei vorgetäuscht! Ich habe keinen Ausweis B mehr, sondern nur noch eine Bestätigung, dass ich hier bleiben dürfe bis zum Abschluss der Untersuchung, die aufgrund der Anzeige meines Mannes eingeleitet wurde, und ich finde keine Arbeit. Ich überlebe dank der Sozialhilfe, welche ich zurückbezahlen müsste.»

«Zwölf Jahre hier und immer noch keinen Status»

«Ich bin vor zwölf Jahren mit meiner Frau und meinen zwei Kindern aus Ex-Jugoslawien in die Schweiz gekommen. Wir haben jetzt vier Kinder. Ich bin 54-jährig und habe hier zehn Jahre auf dem Bau gearbeitet. Seit 2001 bin ich arbeitslos und seit Januar 2003 ausgesteuert. Wir überleben dank dem Lohn meiner Frau, die in einer Fabrik arbeitet. Sie erhält 1500 Franken monatlich für einen Halbtagsjob. Ich suche immer noch eine Arbeit, aber ich habe immer noch keinen C-Ausweis. Den bekomme ich erst, wenn ich eine Arbeit habe! Der älteste Sohn ist 17 Jahre alt, er wird die Sekundarschule im Juni abschliessen. Er sucht eine Lehrstelle, aber das ist sehr schwierig, da er wie die ganze Familie einen F-Ausweis hat. Das weist darauf hin, dass wir jederzeit abgeschoben werden können.»

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