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 |  |  | Lehrstellenvermittler | | | Träumereien haben hier nichts verloren Elisabeth Seifert, sz online.ch
Während dreier Monate begleiteten Kaderleute Schulabgänger auf der Lehrstellensuche.Viele Jugendliche seien zu stark auf einen bestimmten Beruf fixiert – problematisch vor allem dann, wenn der Traumberuf und die Schulleistungen nicht zusammenpassen. Drei Coaches ziehen Bilanz aus ihrer Arbeit mit jungen Frauen und Männern.
«Viele Jugendliche sind zu stark auf einen bestimmten Beruf fixiert, beobachtet Altermatt, der neun Schulabgänger begleitet hat, von denen zwei bis zur Stunde einen Lehrvertrag unterschreiben konnten. Problematisch sei diese Fixierung vor allem dann, wenn der Berufswunsch und die schulischen Leistungen nicht zusammenpassen. Sein Kollege Weickl erkennt hier einen wichtigen Grund für den Misserfolg bei der Lehrstellensuche.
In den zweimal wöchentlich stattfindenden Gesprächen hat Weickl seinen 28 Schützlingen, allesamt Absolventen des 10. Schuljahres in Solothurn, solche Träumereien denn auch ziemlich schnell mal ausgetrieben – mit der so genannten Rucksackmethode: «Was habt ihr bis jetzt alles in euren symbolischen Rucksack hineingepackt?», lautet etwa eine Frage. Und: «Ist alles für euren Traumberuf da auch mit drin?» Dadurch sollen allerdings nicht nur Illusionen zerstört, sondern auch realistische Visionen entwickelt werden. «Die jungen Leute lernen auf diese Weise nämlich kennen, dass sie in Wirklichkeit viel mehr zu bieten haben als ihre womöglich schlechten Zeugnisse.» Jugendliche qualifizieren sich auch damit, so Weickl, dass sie bestimmte Funktionen in der Gesellschaft, etwa in einem Sportverein, innehaben.
Überhaupt gelte es, alles aus den Schulabgängern herauszuholen. «Und wenn nötig, muss man da auch hart sein», sagt Harold Weickl, der 24 seiner Leute unterbringen konnte. Etwa dann, wenn eine junge Frau, die unbedingt eine Kochlehre machen will, mit strähnigen Haaren zum Vorstellungsgespräch erscheint. «Nach der zweiten Bewerbung im neuen Outfit hat es dann geklappt.» Auch Altermatt beobachtete, dass die Lehrmeister grossen Wert auf eine gute äussere Erscheinung legen: «Blech am Kopf stört die potenziellen Arbeitgeber bedeutend mehr als der Ausländerstatus eines Schulabgängers.» Ein weiteres Manko erkennen die drei Coaches in einer gewissen Nachlässigkeit der jungen Frauen und Männer. Sie vergessen ihre Unterlagen, wissen nicht, wo sie sich überall beworben haben oder bereiten sich nicht auf ein Vorstellungsgespräch vor. Weickl: «Ich habe ihnen gleich zu Beginn meine Regeln bekannt gegeben.»
Punkto Lebenslauf und Bewerbungsschreiben sieht der Start-up-Experte noch einige Verbesserungsmöglichkeiten: Es sei zum Beispiel äusserst ungeschickt, wenn im Lebenslauf einer jungen Türkin, die in der Schweiz geboren und aufgewachsen ist, als Muttersprache «türkisch», beim Heimatland «Türkei» und der Religion «Islam» angegeben ist. «Ihr Muttersprache ist Mundart, Geburtsland ist die Schweiz und die Religion kann man weglassen.»
Gerade bei ausländischen Jugendlichen hat Nik Altermatt gute Erfahrungen damit gemacht, wenn er als Coach zuerst selber mit den Arbeitgebern in Kontakt getreten ist: «Auf diese Weise konnten sie die Hemmschwelle leichter überwinden.» Für erfolgversprechend halten die drei Coaches das regelmässige Nachfragen bei bereits verschickten Bewerbungen. Harold Weickl, der sich nicht alleine auf die offiziellen Lehrstellenkanäle verlassen hat, investierte zudem eine Menge Zeit, um an Lehrstellen heranzukommen: «Ich kenne mittlerweile viele Leute bei den Grossverteilern Migros und Coop.»
«Wenn die Schüler wirklich mitmachen, dann liegt mit dem Coaching für sie sehr viel drin», ist Regula Aepli überzeugt. Es gebe aber immer wieder Schulabgänger, die sich nicht wirklich bewusst sind, wie wichtig die Lehrstellensuche für sie ist. Aepli: «Eine ganz wichtige Rolle spielt hier das Elternhaus.» Manchmal habe sie feststellen müssen, dass die Eltern etwa nicht darüber informiert waren, wie es ihrem Sprössling bei einem bestimmten Vorstellungsgespräch ergangen ist.
Regula Aepli, die neun Oberschul- und Werkklassenschüler mit eher schlechten Zeugnissen betreut hat, vermisst zudem ein entsprechendes Angebot an Anlehr- und Vorlehrmöglichkeiten: «Ich haben viel herumtelefoniert und konnte zwar für alle eine Schnupperlehre organisieren, dennoch erhielten nur zwei Schulabgänger einen Lehrvertrag.» Das mangelnde Lehrstellenangebot in diesem Bereich wirke sich natürlich negativ auf die Motivation der jungen Leute aus.
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