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Uneinig im Kampf gegen die hohe Arbeitslosigkeit
Die Zahl der Arbeitslosen hat sich innert nur vierzehn Monaten verdoppelt – auf 3,6 Prozent. Der Gewerkschaftsbund hält die Situation für «dramatisch».
Ende Dezember 02 waren in der Schweiz 129 809 Menschen ohne Arbeit. Der schnelle Anstieg – noch im Sommer waren es nur 90 000 gewesen – erstaunt, obschon bekannt ist, dass hierzulande die Schwankungen stärker sind als in anderen Ländern Europas. Die Flexibilität des Schweizer Arbeitsmarktes hat den Vorteil, dass bei einem Aufschwung die Arbeitslosigkeit auch schnell wieder zurückgeht: 1997 beispielsweise innert zweier Jahre von 205000 auf unter 98000.
Deutliche Besserung erst Ende Jahr
Das Tempo der aktuellen Zunahme ist auf eine Kombination von konjunkturellen und saisonalen Gründen zurückzuführen. Im Herbst und Winter nimmt die Zahl der Arbeitslosen jeweils auf dem Bau und im Tourismus deutlich zu. Jean-Luc Nordmann, Chef der Sektion Arbeit im Staatssekretariat für Wirtschaft (seco), rechnet damit, dass der Anstieg ab Februar gebremst oder gestoppt werde. Eine deutliche Besserung sei aber erst gegen Ende Jahr zu erwarten. Im Jahresdurchschnitt prognostiziert Nordmann eine Quote von 3,6 Prozent (letztes Jahr 2,8 Prozent). Die Gewerkschaften können nicht viel anfangen mit den abwiegelnden Worten Nordmanns. Die Schweiz befinde sich seit Oktober «in den dunkelsten Stunden dieses Jahrzehnts», sagte der Smuv-Sekretär Maillard gegenüber der Nachrichtenagentur SDA. Und der Gewerkschaftsbund SGB spricht von einer «dramatischen Lage». Die neue Grossgewerkschaft Travail.Suisse fordert die Politiker zum Handeln auf: Bundesrat Deiss, der neue Wirtschaftsminister, müsse nun ein Konjunkturprogramm lancieren. Doch Deiss wird wohl ebenso wenig zu gewinnen sein für Ankurppelungsprogramme wie sein Vorgänger Pascal Couchepin. In einem «Blick»-Interview wandte sich Deiss jedenfalls gegen staatliche Impulsmassnahmen. Damit liegt Deiss auf der Linie von Arbeitgeberdirektor Peter Hasler. Dieser bezeichnete gestern die Forderungen nach staatlicher Ankurbelung als «unnütz und absurd». Solche Massnahmen kämen immer zu spät und behinderten den Strukturwandel. Ein kleines Impulsprogramm hat der Bund indes bereits realisiert: Auf Anfang Jahr hat er die Prämien für die Arbeitslosenversicherung gesenkt, wodurch Arbeitnehmer und Arbeitgeber um je eine halbe Milliarde Franken entlastet wurden.
Die Schweiz ist nicht das einzige Land, das mit steigender Arbeitslosigkeit kämpft. Im internationalen Vergleich steht unser Land noch gut da: Von den wichtigsten Industriestaaten haben nur Luxemburg und Holland tiefere Arbeitslosenquoten. In der EU sind 7,7 Prozent arbeitslos, in Japan und den USA sind es 5 bis 6 Prozent.
SOLOTHURNER ZEITUNG: 09.01.2003, von Peter Müller, leicht gekürzt
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